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16 Jun
1. Mannschaft
05-Leistungsträger im Interview
Im letzten Spiel dieser Landesliga-Saison erwischte es Marius Klöpper schwer. Der Leistungsträger von Emsdetten 05 zog sich eine üble Knie-Verletzung zu, fällt monatelang aus. Im Interview berichtet er über den Moment, als es passiert ist und sagt, wie sein künftiger Verein, Oberligist TuS Hiltrup, auf die Hiobsbotschaft reagiert hat.
Es passierte am 31. Mai dieses Jahres, am letzten Spieltag der Saison 2025/2026 in der Landesliga Gruppe 4, beim 4:1-Sieg von Emsdetten 05 bei Vorwärts Wettringen. Das Apke-Team führte in diesem so wichtigen Match mit 3:1, da blieb 05-Mittelfeldspieler Marius Klöpper nach einem eher harmlos aussehenden Zweikampf nahe der Mittellinie am Boden liegen. An den Reaktionen von Klöpper war schnell zu erkennen, da musste etwas Schlimmes passiert sein.
So kam es dann auch: Kreuzband gerissen, Meniskus verletzt, Bänder verletzt, also quasi ein Totalschaden im linken Knie des 27-jährigen Sozialarbeiters. So die Diagnose nach einer ersten MRT-Untersuchung.
Ferdi Recker sprach am Telefon mit dem Mittelfeldspieler. Im Interview erzählt Klöpper unter anderem, wie der Oberligist TuS Hiltrup, wohin er in diesem Sommer wechseln wird, auf die Hiobsbotschaft reagiert hat.
Hallo Marius, hast du in Wettringen direkt gespürt, dass etwas Schlimmes am linken Kniegelenk passiert sein muss?
Marius Klöpper (27): Ja, bei den ersten Bewegungen im Knie hat es mehrfach geknackt, deutlich hörbar. Da war mir klar, dass es wohl schlimmer ist.
Welche Gedanken hat man in solch einem Moment?
Klöpper: In den ersten fünf Minuten hab ich gar nichts gedacht, dann kamen mir ein paar Tränen, weil ich realisiert habe, dass es jetzt für Monate vorbei ist mit Sport.
Wie bist Du von Wettringen aus nach Hause gekommen?
Klöpper: Ich war zunächst im Krankenhaus in Steinfurt, dort hat mich meine Freundin abgeholt. Wir waren noch kurz in Emsdetten am Stadion, weil dort eine kleine Saisonabschlussfeier der Mannschaft lief. Doch da bin ich nach 15 Minuten flott abgehauen, ich hatte keinen Bock auf eine Feier.
Gibt es schon einen OP-Termin?
Klöpper: Nein, es stehen zunächst weitere Untersuchungen an, auch ein weiteres MRT mit lang gestrecktem Bein, das war bisher ja nicht möglich. Ich schätze, so etwa Anfang Juli kommt dann die OP.
Wann hast du den TuS Hiltrup von der schweren Verletzung informiert?
Klöpper: Erste Genesungswünsche aus Hiltrup kamen schon direkt am Sonntag. Ich selbst aber hab erst ein paar Tage gebraucht, ehe ich dort angerufen habe.
Wie war die erste Reaktion des neuen Vereins?
Klöpper: Sie waren geschockt, alle haben es in erster Linie sehr bedauert, dass es für mich vorerst nichts werden kann mit einem Einsatz in der Oberliga. Sie hatten mich fest eingeplant, müssen jetzt sehen, wie schnell Ersatz zu bekommen ist. Für mich steht fest, dass ich erst wieder die Fußballschuhe schnüre, wenn das Knie zu 105 Prozent belastbar ist.
Gab es in deiner Fußballer-Karriere schon schwere Verletzungen?
Klöpper: Es gab mal eine schwere Schulterblessur, in der Jugend mal einen Bänderriss, hier und da auch eine Prellung. Doch im Grunde bin ich ganz gut durchgekommen, bis jetzt ...
Diese Verletzung ist ohne Frage ein Tiefpunkt. Was waren die sportlichen Höhepunkte des Fußballers Marius Klöpper?
Klöpper: Die Meisterschaft mit Borussia in meinem ersten Seniorenjahr, hinzu kam damals das Double, Kreispokalsieg nach einem irren Finale gegen SuS Neuenkirchen, Sieg für uns im Elfmeterschießen, auch ich hab einen verwandelt. Dann natürlich auch der Aufstieg mit Emsdetten 05 in die Landesliga.
Wie schwer war es, in den beiden 05-Relegationsspielen gegen Kirchlengern und Salchendorf am Rand zu sitzen, nicht im 05-Team mitmischen zu können?
Klöpper: Das war unglaublich schwer, denn ich habe noch nie in so wichtigen Spielen tatenlos zuschauen müssen. Ich war nervöser, als wenn ich auf dem Platz gestanden hätte. Es beschäftigt mich noch heute, dass wir es nicht gepackt haben. Doch es ist passiert, nichts mehr zu ändern ...
In den letzten drei Saisonspielen der Landesliga schlich sich eine vorher nicht gekannte Nervosität bei vielen 05-Akteuren ein. Flatterten auch bei Marius Klöpper die Nerven, als gegen Deuten, Hamm und Wettringen die entscheidende Phase anstand?
Klöpper: Bei mir nicht, denn ich liebe derartige Partien, in denen richtig etwas auf dem Spiel steht. Doch jeder Sportler reagiert anders in Stress-Situationen. In Deuten durften wir verlieren, die haben das richtig abgezockt gemacht. Doch das Match gegen Hamm, ich darf gar nicht dran denken: Drei eigene Tore in einem Heimspiel, dann noch verlieren ...
Wie verbringt man eigentlich mit solch einer Verletzung den Tag? Kommt da nicht riesige Langeweile auf?
Klöpper: Langeweile ohne Ende. Marius Klöpper ohne Sport, das geht gar nicht. Ich hab immer schon diverse Sportarten gemacht, jetzt läuft gar nichts. Das ist unglaublich schwer für mich.
Ist es gut, dass jetzt eine WM begonnen hat, mit vielen Übertragungen im Fernsehen?
Klöpper: Genau, ich hab mir alle Zeiten schon notiert, wann die Spiele übertragen werden. Ich werde jetzt die WM ganz intensiv als Zuschauer nutzen. Ich kann auch WM-Spiele mitten in der Nacht schauen, kann ja am Morgen danach länger liegen bleiben.
Wer ist dein WM-Favorit?
Frankreich und Spanien.
Nicht Portugal? Ich hab dich auf einem Handy-Foto in einem Trikot von Cristiano Ronaldo gesehen. Dein Vorbild?
Klöpper: Cristiano Ronaldo hat mich immer begeistert, ein wirklich toller Fußballer. Doch ein Spieler allein kann nichts reißen.
Auch im Amateurbereich werden hier und da an die Spieler ein paar Euro als Aufwandsentschädigung gezahlt. Wer zahlt denn jetzt an Marius Klöpper?
Klöpper: Niemand. 05 nicht mehr, dort ist mein Engagement zunächst ja beendet. Und mit Hiltrup hatte ich ausgemacht, neben einem ganz geringen Fixum nach Trainingseinheiten und Erfolgen in den Spielen bezahlt zu werden. Da ich jetzt über Monate nicht trainieren und auch spielen werde, kommt da nichts. Doch das werde ich schon überstehen.
Von: Ferdi Recker
Foto: Thomas Strack
Mit freundlicher Genehmigung der Emsdettener Volkszeitung